Kompass oder GPS?

Auf meiner letzten IWA-Messe kamen zwei amerikanische Soldaten auf mich zu und fragten, ob ein Kompass sich heute überhaupt noch verkauft. Sie meinten, dass Sie fast ausschließlich nur noch GPS Empfänger nutzen würden. Auf meine Gegenfrage was Sie machen, wenn der GPS-Empfänger kein Signal mehr bekommt und Sie mutterseelen-allein auf dem Feld stehen, konnten Sie mir auch keine vernünftige Auskunft geben. Ein "yellow cab" ist eben auch für einen GI nicht immer und überall verfügbar.
Das Verwenden eines GPS Empfängers ist vor allem eins - bequem.
Ich schau auf mein Display und schon weis ich wo ich bin bzw. in welche Richtung ich zu gehen habe.
Doch eins ist dabei entscheidend:

Die Orientierung findet als Erstes im Kopf statt

Seit nahezu 40 Jahren orientiere ich mich im Gelände mit Karte und Kompass. Für mich hat der Kompass viele Vorteile zu einem GPS Empfänger. Nicht dass wir uns falsch verstehen. Als Teilnehmer einer Expedition hätte ich auch ein hochwertiges GPS Gerät dabei. Aber als Wanderer im Urlaub, am Wochenende oder am Abend - machen da die großen Ausgaben wirklich einen Sinn?

Bitte sehen Sie die folgenden Argumente als meine persönliche Meinung an:

Für mich hat ein GPS Gerät mehr Nachteile als Vorteile:

  • Mit einem GPS Gerät verlasse ich mich blind auf die Technik - fällt sie aus - bin ich als Laie gefordert.
  • GPS Geräte können nur vektorisierte Daten verarbeiten- die Planung erfolgt zu Hause mit detaillierten Rasterkarten - die Wanderung erfolgt mit schematisierten und nicht detailgetreuen Vektordaten.
  • Die GPS Navigation kann in unwegsamem Gelände sehr schwierig sein. Täler, Felswände, dichter Laubwald, Aschewolken von Vulkane, ...- alle diese Kriterien können den Empfang beeinträchtigen, das Signal reflektieren, brechen und verzögern und das Ergebnis verfälschen.
  • Was passiert, wenn die GPS Satelliten abgeschaltet werden und die Signale entfallen? Nur die Glücklichen überleben?
  • Ein GPS Gerät funktioniert mit einem Akku. Fällt der aus oder ist der Akku leer (ich denke da an mein Handy ?) geht nichts mehr. Sicher kann man ein mechanisches Ladegerät oder eine solare Ladestation mitnehmen - aber will ich wandern oder mich bepacken?
  • Ein GPS Gerät kann, wie alle anderen elektronischen Geräte - ausfallen. Ja, ein hartes Wort, aber das ist nun mal so. Bei jeder Autofahrt wird einem das verdeutlicht - wie viele Pkw stehen am Wegrand rum nur weil die Elektronik spinnt?

Die Orientierung mit Kompass und Karte hat für mich viele Vorteile:

  • Ein Kompass hat keine Akkus und funktioniert mechanisch sehr präzise. Die Mechanik kann nicht ausfallen und ist nicht auf Energiequellen angewiesen. Mein mechanischer Kompass arbeitet schon seit über 20 Jahren ohne zu murren. Doch das wissen Sie schon.
  • Ein Kompass von K&R ist stets einsatzbereit und bekommt selbst unter extremsten Umwelteinflüssen keine Luftblasen.
  • Äußere Einflüsse wie Staub in der Atmosphäre, dichte Wälder, Felsen, Täler all das macht einem Kompass und seiner Genauigkeit nichts aus.
  • Lange Peilstrecken lassen sich mit einem Kompass besser bearbeiten.
  • Für mich gibt es nichts Besseres als eine detailgetreue Topografische Karte im Maßstab 1:25.000 vom Landesvermessungsamt. Mit diesem Hilfsmittel und meinem Kompass Alpin erreiche ich jedes Ziel.

Einen Vorteil hat für mich das GPS Gerät: ich kann mir die Koordinaten meines Standortes bei einem Notfall an die Rettungsstelle schnell weitergeben. Dazu muss aber der Akku funktionieren und das GPS Signal vorhanden sein.
Ein Kompass ist aber trotzdem für mich die beste und günstigste Lebensversicherung im unwegsamen Gelände.
Wie man einen Kompass zur Orientierung verwendet, dazu gibt es unter anderem auch mein Handbuch - damit dieses Wissen nicht in Vergessenheit gerät. Zumindest als Ersatzbetriebslösung sollte man wissen, wie man mit einem Kompass umgeht.

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