Orientierung

Wie arbeiten wir mit einem Kompass?

Nun haben wir einen Kompass, eine Karte, ein Ziel und stehen im Gelände. Was kann ich nun tun um mich richtig zu orientieren? Auf den nächsten Seiten stelle ich mehrere Möglichkeiten vor. Es ist ganz einfach :).

Die Marschrichtung aus dem Gelände ermitteln

1. Ich norde als Erstes die Karte ein. Das bedeutet, ich nutze meinen Kompass um die Karte so im Gelände zu drehen, dass die Himmelsrichtungen von Karte und Gelände übereinstimmen. Wir berücksichtigen zunächst keine Missweisung, da sie in Deutschland derzeitig(!) nicht berücksichtigt werden muss. In 100 Jahren schaut das wieder anders aus.
Ich stelle meine Kompassrose so ein, dass die Nordmarkierung N und die Marschrichtungsmarkierung (Ablesemarke) übereinstimmen.

Nun lege ich meinen Kompass an die linke Außenlinie der Karte an und drehe meine Karte so lange, bis die Magnetnadel auf die Nordmarkierung des Kompasses zeigt. Die Karte ist eingenordet. (wie im Bild links)
Sollte ich eine Missweisung berücksichtigen müssen, z.B. in Island und einen Deklination von ca. 15° 31'W (im Juli 2009) habe, muss ich diese selbstverständlich einstellen und die Magnetnadel nicht auf die Nordmarkierung sondern auf die Missweisungs-korrektur einstellen.

2. Nun habe ich die Karte eingenordet und soll den eigenen Standort bestimmen. Ich führe den Karten-Gelände-Vergleich durch. Ich suche mir markante Punkte im Gelände. Kirchen, Burgen, Wege-Kreuzungen, Waldränder, Straßen sofern vorhanden, Gipfel oder Bergrücken, Flußbiegungen,.... Ich sehe mir die Karte an, dann das Gelände und ermittle den eigenen Standort.

Sie denken, so viele Burgen gibt es gar nicht? Dann besuchen Sie mal die Fränkische Schweiz im Nordbayern. Neben Burgen, Bergen und Flüssen gibt es jede Menge Brauereien. Doch die sind leider nicht in Topografischen Karten verzeichnet. Nur in Thematischen :). Doch das ist ein anderes Thema.

3. Ich habe nun meinen Standort bestimmt und möchte ein bestimmtes Ziel erreichen. Ich visiere mein Ziel an, sodass mein Kompass direkt auf mein Ziel zeigt (das Korn zeigt zum Ziel). Meine Magnetnadel zeigt weiterhin nach MaN. Nun drehe ich meine Kompassrose so weit, bis die Magnetnadel und die Nordmarkierung N übereinstimmen. (siehe Bild).

4. [Wenn eine Deklination zu berücksichtigen ist, dann zeigt der Zeiger auf die korrigierte Missweisungsrichtung und nicht nach N.]



5. Nun kann ich an der Ablesemarke die Marschrichtung ablesen. Das ist die Richtung, die ich jetzt einhalten muss.




Ermitteln der Marschrichtung mit Einnorden der Karte

Selbstverständlich kann ich auch aus der eingenordeten Karte diesen Richtungswinkel ermitteln. Ich kenne meinen Standpunkt und mein Ziel. Mit einem Kartenwinkelmesser oder mit meinem Spiegelkompass / Linealkompass ermittle ich den Richtungswinkel, stelle diesen Winkel auf meinem Kompass ein (Ablesemarke), bringe die Magnetnadel und die Nordmarkierung auf der Skala in Übereinstimmung. Ich gehe nun in die Richtung, welche mein Kompstass mir anzeigt.

Eigener Standort

Wegegabelung bei Eichenbirkig



Zielpunkt: Die Kirche in Pfaffenberg

Voraussetzung: Karte ist eingenordet

Hinweis:
Die Luftlinienentfernung kann man nebenbei auch ermitteln: der Karten-Maßstab und die Entfernung in cm genügen :).

1. Hier im Beispiel lege ich die "Null" Markierung des Kompasses auf meinem Standort
2. Drehe meinen ganzen Kompass so lange um den Standort als Drehpunkt, bis die Anlegekante auf mein Ziel zeigt (Kirche Pfaffenberg).
3. Drehe den Drehring (Skala) so lange, bis die Nordmarkierung "N" mit der Kompassnadel übereinstimmt.
4. Ablesung der Marschrichtungszahl an der Ablesemarke hier 102°.

Es gibt eine weitere einfache Möglichkeit den Richtungswinkel vom Standort zum Zielpunkt aus der Karte zu ermitteln. Dazu muss ich nicht die Karte Einnorden. Hier entfällt der Karte- Gelände-Vergleich. Diese Methode wird nicht von mir bevorzugt, da hier Fehler bei der Bestimmung der Ziele auftreten können, wenn Sie eng beieinander liegen. (siehe Seite 40). Ein Blick auf die Karte und auf das Gelände schließen oftmals grobe Orientierungsfehler aus.

Für das Detailwissen, besonders für Regionen mit einer großen Missweisung!

Nun haben wir eine Möglichkeit kennengelernt eine Karte einzunorden. Bereits im Vorfeld haben wir aber besprochen, dass es für unterschiedliche Karten auch unterschiedliche Winkel zu beachten gilt.
Wenn wir mit topografischen Karten arbeiten haben wir immer mindestens zwei verschiedene Koordinatensysteme zugrunde liegen: Geografische Koordinaten und UTM-Koordinaten.
Da unser Kompass immer nach MaN zeigt müssen wir daher beim Einnorden verschie-dene Einflüsse berücksichtigen: Die Deklination und die Nadelabweichung. Warum?

Das Einnorden der Karte im Geografischen Koordinatensystem

Die Kompassnadel zeigt immer nach MaN, die Meridianlinie nach GeN. Wenn ich also das Meridiankoordinatensystem verwende, muss mich daher auch den Kompass zum Einnorden an die Meridianlinie anlegen. (siehe Beispiel) und die Deklination (Missweisung) einstellen.
Dies werden wir noch zu einem späteren Zeitpunkt besprechen. In unseren Breiten haben wir derzeitig eine geringe Deklination, die wir vernachlässigen können: Daher habe ich Sie auch nicht auf dem Kompass eingestellt.











Das Einnorden der Karte im UTM Koordinatensytem

Die Nadelabweichung ist der Winkel zwischen GiN und MaN. Wenn ich im UTM System arbeite, lege ich selbstverständlich meinen Kompass an die Gitterlinie an und muss die Nadelabweichung berücksichtigen. Dieser Winkel ist bei guten topografischen Karten angegeben (siehe unten).Eine Abweichung von 2° kann ich aber bei einer Kompass-Ablesegenauigkeit von 1° beruhigt vernachlässigen. So genau kann ich die Richtung beim Orientieren praktisch nicht einhalten. (Ich zumindest nicht (: ). Daher ist Sie auch hier nicht eingestellt.
Selbstverständlich spielt auch hier die Deklination als Bestandteil der Nadelabweichung eine Rolle. Darum gibt es auch hier jährliche Veränderungen.
Hier lese ich den Wert der Nadelabweichung für das Kartenblatt ab. Dieser gilt aber nur für das Druckdatum der Karte. Je nach Datum muss ich also rechnen wie sich der aktuelle Wert darstellt. Die jährliche Änderung ist angegeben. Daher arbeite ich immer mit aktuellen Karten.



Beispiel für die Kompassarbeit im UTM-Gitter

Anbei füge ich noch einmal ein praktisches Beispiel für die Arbeit im UTM Gitter mit der Nadelabweichung durch. Ich darf nicht vergessen, dass ich hier die Deklination und die Meridiankonvergenz beachten muss.

Gegeben sind:
Topografische Karte 1:25000, Kartenblatt 6533 Röthenbach a d Pegnitz
geografische Länge (Ostwert): 11° 11' (11,2333°)
geografische Breite (Nordwert): 49°29' (49,4833°)

Für die Errechnung der aktuellen Deklination gebe ich diese Daten in einen Deklinationsrechner ein, mein Favorit ist der Deklinationsrechner vom Helmholtz-Zentrum in Potsdam. Diesen erhalten Sie hier als Link: http://www-app3.gfz-potsdam.de/Declinationcalc/declinationcalc.html Man erhält aktuell (Juli 2011) folgenden Wert: +2°1' östliche Deklination (2,0166°).
Die Meridiankonvergenz für die Orientierung erhält man durch einfache Rechnung aus der Topografischen Karte (wie das geht habe ich im Handbuch bereits beschrieben).
In meinem Kartenblatt: Abstand der Gitterlinie zur Meridianlinie am linken Kartenblatt von der Oberkante bis zum Schnittpunkt beider Linien:

Gegeben sind:
? 8,5mm (Abstand Gitterlinie zu Meridianlinie oben am Kartenrand)
Höhe Kartenrand: 300 mm (von Oberkante bis Schnittpunkt beider Linien auf der Karte)
Tan a = (8,5mm / 300mm) = 0,02833°, a = +1,623°

Nach einer allgemeinen Konvention sind die Meridiankonvergenzen westlich der Hauptmeridiane negativ, östlich positiv.

Nach der geografischen Länge des Punktes mit 11° 11' liegen wir eindeutig ostwärts des Hauptmeridians 9° des Zonenfeldes 32U. Dieses wird von den Meridianen 6° und 12° begrenzt.

Damit erhalte ich die Nadelabweichung durch eine einfache Rechnung, sofern diese nicht auf dem Kartenblatt angegeben ist. Die Nadelabweichnung ist der Winkel zwischen GiN und MaN. Meridiankonvergenz (Winkel zwischen GeN und GiN) beträgt + 1,623° Deklination (Winkel zwischen GeN und MaN) beträgt +2,016°
Die Nadelabweichung(Winkel GiN und MaN) beträgt somit 0,393° und kann derzeit (2011) hier in Deutschland vernachlässigt werden.
Eine Skizze ist hier immer hilfreich um den Wert mit dem richtigen Vorzeichen zu bestimmen.

TIPP: Um Fehler in der Ermittlung und der Berechnung zu vermeiden, norde ich meine Topografische Karte immer am Kartenrand (Meridianlinie) ein.





Ermitteln der Marschrichtung ohne Einnorden der Karte

Gute Kompasse haben eine durchsichtige Kompasskapsel. Dadurch kann man durch die Kapsel auf die Karte sehen und die Topografischen Kennzeichnungen der Karte unter dem Kompass genau erkennen. Darum ist auch die Grundplatte transparent. Topografische Karten haben ein Gitternetz. Dieses ist von N-S und von W-O ausgerichtet. Die Kompasskapsel hat auf dem Kapselboden Linien eingezeichnet. Diese gehen von N-S.

Anbei ein Beispiel wie diese Ermittlung funktioniert. Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.



Meine Topografische Karte des Kartenblattes 6134 Waischenfeld, einem sehr idyllischer Ort in der romantischen Fränkischen Schweiz.
Mein Standort ist die Kirche in Volsbach, mein Ziel die Kirche im Nachbarort Körzendorf. Ich will nun die Marschrichtung von Kirche zu Kirche bestimmen, ohne die Karte eigens dazu Einzunorden (wie im 1. Beispiel).






Dazu lege ich die Grundplatte auf das Zielgebiet. Die Null-Markierung ist mein Standort, die Seitenkante geht zum Ziel. Ich habe nun Standort und Zielpunkt mit der Anlegekante verbunden.
Nun drehe ich einfach die Kompasskapsel mit den N-S Linien parallel oder deckungs-gleich (wie hier) zu den Gitterlinien.

ACHTUNG: Hierbei muss die Nordrichtung der N-S Linie zum oberen Kartenblatt (Norden) gerichtet sein!






Nun lese ich an der Ablesemarke die Marschrichtung zum Ziel ab. Wie man sieht , zeigt meine Kompassnadel nicht nach N der Karte, sodern nach MaN. (siehe Bild ober) Ich erhalte den Wert 112° an der Ablesemarke.

Nun zum Vergleich: Mit dem Einnorden der Karte erhalte ich den gleichen Wert: 112°



Viele bevorzugen diese 2. Methode der Ermittlung des Richtungswinkels, da diese Version auf ein Einnorden der Karte verzichtet. Ich bevorzuge erst ein Einnorden der Karte, um sofort einen Karte-Gelände-Vergleich zu machen um grobe Orientierungsfehler zu vermeiden.

Steigerung der Genauigkeit bei der Ablesung mit dem Peilkompass Meridian Pro

Was unterscheidet gerade den Peilkompass Meridian Pro von anderen Peilkompassen? Nicht nur die Ablesung ist auf 0.5° genau, es gibt keine Luftblasen durch die flexible Kompasskapsel. Nein, es ist auch der Haltering des Kompasses, der eine Genauigkeits-steigerung schon beim Anpeilen ermöglicht. Das funktioniert wie folgt:

Durch das Halten des Kompasses auf der Hand kann man mit dem ausgestreckten Arm das Ziel anvisieren. Mit unserem Präzisionsprisma ist es möglich aus dieser Entferung auch die Skala noch abzulesen. Was hat das für einen Vorteil fragen Sie? Gerne zeige ich Ihnen den Sachverhalt:
Je näher das Auge am Prisma ist, desto schlechter kann ich meine Visiereinrichtung am Kompass, das "Korn" und mein Ziel im Auge behalten. Mein Auge kann nicht gleichzeitig die Nähe (Kompass Korn) und die ferne (mein Ziel) scharf abbilden. Wenn ich beim Anvisieren auch noch das Auge am Prisma klebt um die Richtung abzulesen, dann komme ich leicht vom Ziel ab. Ich erhalte ungenaue Messwerte. Anders wenn ich mit ausgestrecktem Arm den Kompass nutzen kann. Jetzt kann das Auge sowohl das Ziel als auch den Kompass gleichzeitig scharfabbilden. Ich erhalte sehr gute Genauigkeiten nur durch das Halten des Instrumentes.
Und was das für Folgen hat, sehen Sie im folgenden Abschnitt.

Abweichungen durch Messfehler

Ich empfehle immer nur kurze Strecken anzuvisieren, das Gelände ins Auge zu nehmen und dann auf diesen Punkt zuzugehen. Bei langen Strecken kommt es immer zu Ungenauigkeiten und wenn ich das Ziel nicht fest im Blick habe, weil ich zum Beispiel durch ein Waldstück gehe, dann verpasse ich unweigerlich mein Ziel.

Eine Tabelle zu den Genauigkeiten:

Winkel [grad]

0,5

1

2

3

15

Strecke [m]

 

 

 

 

 

 

seitliche Abweichung in [m]

250

2,18

4,36

8,73

13,10

66,99

400

3,49

6,98

13,97

20,96

107,18

500

4,36

8,73

17,46

26,20

133,97

750

6,55

13,09

26,19

39,31

200,96

1000

8,73

17,46

34,92

52,41

267,95

1500

13,09

26,18

52,38

78,61

401,92

2000

17,45

34,91

69,84

104,82

535,90

3000

26,18

52,37

104,76

157,22

803,85

4000

34,91

69,82

139,68

209,63

1.071,80

5000

43,63

87,28

174,60

262,04

1.339,75



Ich glaube, jetzt wird deutlich, je ungenauer ich messe und je größer die Strecke, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit mein Ziel zu verfehlen. Ungenauigkeiten bei der Wahl des Kompasses wiegen nicht so schwer wie das Vernachlässigen einer Missweisung (hier 15°). Wenn ich die Deklination als Missweisungskorrektur nicht berücksichtige, dann darf ich mich nicht wundern, wenn ich ganz wo anders raus komme.
Wenn es nun um große Genauigkeiten geht, dann führt kein Weg an einem Peilkompass vorbei. Dieser hat von Haus auf nur einen Ungenauigkeit von 0,5°, andere Spiegelkompasse liegen schon bei 1° bis 2°, ein Linealkompass hat schon 3° Abweichung ohne dass man einen Ablesefehler begeht.

Beispiel für die Bestimmung von Richtungen:




Die Burg Rabenstein in der Fränkischen Schweiz habe ich mit meinem Spiegelkompass Alpin von K&R und meinem Peilkompass Meridian Pro anvisiert und das Ergebnis mit der Karte verglichen. Der Zielpunkt war jeweils der Burgturm, Spitze des Daches.
Unten erkennt man an der Topografischen Karte im Maßstab 1:25:000, Kartenblatt Waischenfeld, Ausgabe 2003 vom Bayerischen Landesvermessungsamt die sehr schöne Darstellung der Höhenlinien, der Schlucht und die Lage des Schlosses. Der Kartenwinkel ergibt eine Richtung von 217°.





Die Messergebnisse mit unterschiedlichen Kompasstypen liefern folgende Ergebnisse:




Der Spiegelkompass hat von Haus auf eine Ablesegenauigkeit von 1 bis 2°. Genauer kann man nicht ablesen. Das Anvisieren gestaltet sich als sehr einfach, ebenso das Ablesen der Richtung.
Das Ziel, hier der Turm, wird anvisiert. Die Nordmarkierung auf der Kompassrose wird auf den Nordpfeil gedreht. Der Richtungswinkel zum Ziel wird abgelesen. Hier 216°.









Die Ablesung mit dem Peilkompass Meridian Pro ist sehr einfach. Anvisieren und mit etwas Abstand durch das Prisma sehen.
Das Ergebnis lautet hier 217°.
Hier ist darauf zu achten, dass "Kimme" und Korn eine Linie mit dem Ziel, auch hier der Turm der Burg Rabenstein, bilden. Man kann auch Richtungen mit einer Genauigkeit von 0,5° bestimmen.
Der besondere Vorteil:
Mit ausgestrecktem Arm kann ich sowohl die Ablesung durchführen als auch das Ziel "scharf" im Auge behalten.




Welche Probleme können sich aber bei der Richtungsbestimmung bei langen Strecken ergeben?





Wie man sieht, ist die "kleine Kirche " kaum noch am Horizont zu sehen. Ich will aber die Richtung bestimmen.


Auf der Karte sind das 94°. Das Ziel ist die Barockkirche in Hohenmirsberg. (roter Pfeil)





Wo kann ich einen Fehler machen?

Ich norde die Karte etwas ungenau ein. So dass sie nur einigermaßen in Richtung Norden zeigt und lege dann den gemessenen Winkel auf meinen Standpunkt, den ich durch Karten - Geländevergleich exakt bestimmen konnte, an.

Hier habe ich einen Ablesung von 92° bis 93° zum Zielpunkt erhalten, die Karte aber nicht richtig eingenordet. Nur um wenige Grad. Und wo komme ich raus? In Pfaffenberg, statt bei meiner Barockkirche. Hier empfiehlt es sich auch die Strecken und das Gelände mit dem Relief der Karte zu vergleichen, dann können grob falsche Ergebnis schon mal ausgeschlossen werden. (Die N-S Markierungen der Kompasskapsel sind hier nicht parallel zu dem Gitter der Landkarte! Und das Gitter der Landkarte zeigt deshalb auch nicht nach Norden wie die Magnetnadel).

Das Messen von Geländewinkel

Natürlich kann ich auch vertikale Winkel messen. Entweder weil es mir Spaß macht, oder weil ich es benötige um zu Ermitteln ob mein Kfz die anstehende Geländesteigung auch befahren kann. Nicht jedes Feuerwehrauto aus der Stadt hat Geländereifen und kann jede Steigung im Wald befahren.

Beispiel:


In der Thermoelastischen Fluiddose ist ein beweglicher schwarzer Zeiger eingearbeitet. Dieser gehorcht der Schwerkraft und zeigt immer zum Erdmittelpunkt. Die Skala zeigt die Geländesteigung in Grad.Als Erstes wird der Kompass dazu in die waagrechte Position gebracht und der schwarze Markierungspfeil auf Null gestellt.
Dann peilt man die Geländehöhe an und aufgrund der Neigung lesen wir die die Steigung in Grad ab. Hier 20°.
Eine Skala auf dem Kompassdeckel gibt uns aufgrund der Gradzahl die Steigung in Prozent an. Die gemessenen 20° entsprechen 36% Steigung. Auf 100 Meter haben wir also Strecke 36 Meter Höhendifferenz.





Der linke Kompass, Alpin, ist in Zusammenarbeit mit Bergführern bereits vor sehr vielen Jahren entwickelt worden und daher auch für für Bergsteiger sehr gut geeignet. Der rechte Meridian Pro kann man die Steigung und gleich die Anzeige in Prozent an der seitlich angebrachten Skala ablesen.







Natürlich kann ich die Steigung auch aus der Karte ermitteln

Hierzu lege ich den geöffneten Kompass Alpin mit dem Deckel nach unten auf die Karte. Auf der Seite ist die sogenannte Äquidistanzskala angebracht. Die parallelen Striche auf dieser Skala bringe ich in Übereinstimmung mit den Höhenlinien. Nun kann ich an dieser Stelle die Steigung bzw das Gefälle ablesen und entscheiden, wie ich meinen Weg fortsetzen oder im Vorfeld auch planen will. Hier muss man natürlich den Kartenmaßstab berücksichtigen.



Auch hier kann ich auf dem Deckel die Steigung in % ablesen. Die Steigung zwischen diesen Höhenlinien betragt bei meiner topografischen Karte 1:25.000 30°, in Prozent ausgedrückt knapp 60%. Nur zum Klettern geeignet.

Die eigene Standortbestimmung

Sicher, wenn ich ein Ziel anvisiere zu dem ich gehen will, dann visiere ich keine 5.000 Meter, was aber wenn ich meinen eigenen Standort genau bestimmen möchte?
Ich stehe auf einem Punkt, den ich auf der Karte nicht exakt bestimmen kann, den ich aber genau bestimmen will? Ich bin auf einer Wiese ohne Kreuzung ohne markante Geländepunkte, welche auf einer Karte verzeichnet sind. Ich sehe aber mindestens 2 markante Punkte in der Ferne (z.B Kirchturm, Gipfelkreuz eines Berges, Ruine, Schloss, Sendemast) Punkte , die eindeutig auf der Karte vermerkt sind.
Hier wird wieder der Maßstab meiner Karte interessant. Je größer der Maßstab, desto mehr Inhalte sind zu erkennen und desto genauer kann ich meine Peilung mit meinem Peilkompass machen und natürlich mit der Karte exakt arbeiten. Natürlich geht jeder andere Kompass auch, aber die Genauigkeiten sind hier entscheidend.
Ich führe jetzt das Verfahren des Rückwärtseinschneidens durch, auch Kreuzpeilung genannt. Ich stehe auf unbekannten Koordinaten. Ich sehe aber mindestens 2, besser noch 3 in der Karte eindeutig eingezeichnete Geländepunkte. Dies nutze ich um meinen eigenen Standort zu bestimmen. Je mehr Punkte, desto genauer ist die Bestimmung.

Hier ein Beispiel wie man es macht:




Ich arbeite ohne Entfernungsbestimmung, nur mit Richtungen. Als erstes norde ich meine Karte ein. Natürlich beachte ich die Missweisung, sofern notwendig. Sonst ist die Messung für die Katz. Mein Standort ist irgendwo im Bereich der Pfeilspitze.




Dann visiere ich einen Punkt im Gelände an, der gut sichtbar aber in der Ferne liegt (z.B. Kirchturm, Funkmast , Gipfelkreuz oder auch Hochspannungsmast,...) und lese die Richtungen auf meinem Kompass ab. Wie mache ich das?

Ablesung der Richtung zum Geländepunkt:


Ich sehe über die Visiereinrichtung zum markanten Geländepunkt, die Magnetnadel schlägt aus. Nun drehe ich die Kompassrose mit der Markierung N auf die Magnetnadel in Übereinstimmung. Ich kann nun auf einen Richtungswert auf der Ablesemarkierung derKompassrose ablesen.


Beim Peilkompass muss ich nur durch das Präzisionsprisma sehen und das Ziel anvisieren. Hier im Beispiel erhalte ich einen wert von 357°.
Für genaue Peilungen verwende einen Peilkompass, für die Arbeit mit der Karte benötige ich den Spiegelkompass mit der langen Anlegekante. In unserem Beispiel habe ich für die eigene Standortbestimmung folgende Richtungen ermittelt:


120° schwarze Linie , 228° rote Linie , 287° blaue Linie


Diese ermittelten Richtungen übertrage ich nun (nur mit meinem Kompass, ohne weitere Hilfsmittel) auf die eingenordete Karte. Ich lege hierzu eine Außenkante des Kompasses an den Zielpunkt an. Auf der Kompassrose ist noch die Richtung zum gerade anvisierten Zielpunkt eingestellt (120°, 228° oder 287°). Die Kompassnadel muß nun auf die Markierung N zeigen. Dazu wird der Kompass (nicht die eingenordete Karte!) so gedreht, dass eine Anlagekante des Kompasses (hier die untere) auf dem Zielpunkt liegt und der Drehpunkt ist.
Der Kompass wird gedreht, bis die Magnetnadel auf der Markierung N der Magnetrose steht. Dann nehme ich meinen Bleistift und zeichne eine Linie von dem Ziel zu meiner Richtung.



Irgendwo auf dem Strich ist im Gelände nun meine Position. Um diese nun noch genauer zu bezeichnen, muss ich noch mindestens eine weitere Messung durchführen. Am besten zu einem Punkt, der mindestens 60° von der ersten Richtung abweicht. (rote Messung). Der Schnittpunkt ist dann der Standort.
Da aber Ungenauigkeiten oder Messfehler nicht auszuschließen sind, empfehle ich eine weitere Messung (blau). Ich erhalte dann ein sogenanntes Fehlerdreieck. In diesem Dreieck ist dann auf jeden Fall mein Standort. Aus statistischer Sicht nehme ich dann die Mitte des Dreiecks als meinen Standort an. Dieses Dreieck sollte daher natürlich nicht allzu groß sein. Bei großen Ungenauigkeiten sollten man nochmal alle Messungen vornehmen, "Eine Messung ist keine Messung".

Mit einem Kartenwinkelmesser, den man im einem Landkartenhaus kaufen kann, ist diese Arbeit ohne Probleme zu erledigen. Es ist nicht kompliziert, ich finde es ist die einfachste Lösung:
Hier wird der Mittelpunkt auf den Zielpunkt gelegt, der Kartenwinkelmesser ist paralell zur Karte "eingenordet".

Doch hier benötige ich den Gegenrichtungswinkel.

Ich visiere vom unbekannten Standort aus den Zielpunkt an und erhalte z.B 287°. Der Gegenrichtungswinkel ist nun der Winkel, den ich erhalte, wenn ich auf dem Zielpunkt stehen würde um zu meinem (unbekannten) Standort sehen würde. Er unterscheidet sich um 180°. Dabei ist es egal ob ich addiere oder subtrahiere.
Dieser Kartenwinkelmesser ist von DAV.

Möglichkeit 1: 287° + 180° = 467° = 107°
Möglichkeit 2: 287° -180° = 107°

Diesen errechneten Wert 107° nehme ich als Richtungswinkel für meinen Kartenwinkelmesser. Ich lege den Kartenwinkelmesser auf den Zielpunkt (N zeigt natürlich auf das Nord der Karte :)). Der Faden, der in Mitte des Vollkreises befestigt ist, lege ich nun auf den errechneten Winkel 107. Irgendwo auf der Linie mit 107° liegt dann mein eigener Standort.
Um nun diesen Standort nun zu bestimmen, benötige ich noch mindestens eine zweite Messung zu einem anderen Geländepunkt.

Gegenrichtungswinkel durch Ablesen bestimmen:

Oder ich nehme den Peilkompass Meridian. Der zeigt mir gleich neben dem Richtungswinkel den Gegenrichtungswinkel an. Hier werden Rechenfehler im Gelände vermieden! Die Kreuzpeilung wird zum Kinderspiel.

Beispiel 2 für Rückwärtseinschneiden / Kreuzpeilung

Messung zur Schwartenbergbaude, Kirche Seiffen und Kreuzung im Erzgebirge:



Alle Winkel habe ich 3 mal gemessen und die Mittelwerte als Ergebnis herangezogen. Das kleine Fehlerdreieck als Schnittpunkt der drei Richtungen ist das Ergebnis. Im Dreieck ist der gesucht Standort. Hier werden nur Richtungen gemessen, keine Strecken.
Bei einer sehr weiten Peilung nach Sayda Kirche (7.050m; Winkel 3) kann man noch so genau wie möglich messen, es können keine exakten Ergebnisse als GRW erzielt werden. Das Ergebnis der Messung verfälscht das Gesamtergebnis. Daher habe ich eine Kreuzung als Ersatzziel genommen, um das Ergebnis zu untermauern, hier als Kontrollmessung dargestellt. Die bekannten Vermessungspunkte (Kirchen und Kreuzungen sind als Startpunkt der GRW (Gegenrichtungswinkel) dargestellt.

 

1. Messung

2. Messung

3. Messung

Richtung 1

56°

57°

57°

Richtung 2

118°

117°

117°

Richtung 3

344°

344°

343°

Kontrollmessung

265°

 

 



Mit dem Peilkompass Meridian muß der Gegenrichtungswinkel nicht errechnet werden. Er wird nur abgelesen. Das erleichtert die Orientierung im Gelände.


MERKE:
Nutze keine markanten Punkte in weiter Ferne für die Kreuzpeilung. Eine exakte Messung ist kaum möglich, der seitliche Fehler bei nur 1° ist bei langen Strecken enorm!

Hier ist die Situation wie sie sich im Gelände darstellt:

die Kirche in Sayda
(Messung 3)
die Schwartenbergbaude
(Messung 1)
die Seiffener Bergkriche
(Messung 2)

Die Kontrollmessung ist eine Kreuzung in 300m Entfernung vom Standort, um eine dritte Messung zu bekommen.

Zusammenfassung Rückwärtseinschneiden:

Karte einnorden und gegebenenfalls Missweisung beachten
drei Ziele anvisieren, Richtungen und Gegenrichtungen ermitteln
Richtungen auf die eingenordete Karte übertragen, Verbindungslinien zeichnen
Fehlerdreieck zeichnen, Mittelpunkt des Fehlerdreiecks ist eigener Standort

Was mache ich nun mit meinen Kenntnissen Karte und Kompass? Das ist wieder ein anderes Thema.

Wandern mit dem Kompass

Im Gelände, im Wald, bei Nebel, in der Nacht, mit einer alten Karte. All das sind Dinge, die früher oder später auf jeden Wanderer zukommen.
Es ist immer leichter in einer Gruppe unterwegs zu sein, mindestens aber zu Zweit. Besonders dann, wenn einmal ein Problem auftauchen sollte.
Im übersichtlichen Gelände bestimme ich meinen Standort auf der Karte, suche mir meinen Weg auf der Karte, bestimme die Marschrichtung per Kompass auf der Karte und visiere im Gelände meinen realen Zielpunkt an. Den behalte ich im Auge und marschiere auf diesen zu. Solange ich das Ziel gut sehe, die Visierlinie eindeutig und die Strecke nicht allzu lang ist, habe ich kein Problem. Doch was muss ich tun, wenn ich zum Ziel ein Hindernis habe?
Zu Beispiel einen See, Teich, einen Einödhof mit einem großen Hund :(, ein begrenztes Waldgebiet, ein frisch gesäter Acker oder ein anders Hindernis? Das muss man umgehen.
Am besten man umgeht diese Hindernisse immer im rechten Winkel. Merkt sich die Schritte die man abweicht und nach Umgehen des Hindernisses geht man wieder im rechten Winkel wieder die gleiche Schrittanzahl wieder zurück.

  1. Ich ermittle mir mit dem Kompass einen Winkel von 90° und gehe so weit, dass das Hindernis links oder rechts von mir liegt.
  2. Ich merke mir die Anzahl der Schritte, dann setze ich meinen Weg in die ursprüngliche Marschrichtung fort bis das Hindernis längs der Marschrichtung abgeschritten ist.
  3. Nun stelle ich an meinen Kompass einen 270° Winkel ein um die gleiche Anzahl von Schritten wieder zurück zur ursprünglichen Marschlinie zu kommen.
  4. Ich setze meinen Weg mit der usprünglichen Marschrichtungszahl fort.
Das hört sich umständlich an, je genauer man dabei aber ist, desto schneller erreicht man sein Ziel.

Orientierung bei Nacht und mit einer alten Karte?

Kommen wir auf mein Beispiel aus meiner Einleitung zurück. Ich stehe mitten im Gelände, sehe fast nichts und die Karte zeigt eine bewaldete Fläche an. Ich befinde mich aber am Rande einer Lichtung. Was nun?
Ich habe meinen Standort auf der Karte bestimmt und weiß, nach der alten Karte muss ich die dritte Kreuzung rechts ab. Nun wäre es schön 2 weitere Hilfsmittel in der Tasche zu haben. Einen Kartenmesser der mir die Entfernung zur Kreuzung auf der Karte anzeigt und einen Schrittzähler. Hier bevorzuge ich einen mechanischen, da dieser keine Batterie benötigt und mit immer zuverlässig die Anzahl der Meter anzeigt, es gibt auch welche die in der Nacht leuchten.
Bei kleinen Strecken und wenn es auf genaue Entfernungen ankommt sollte man einen digitalen Schrittzähler nehmen.
Als Erstes nehme ich den Kartenmesser und fahre die Strecke von meinem Standort bis zur geplanten Kreuzung ab.
Ich wähle den Maßstab der Karte auf meinem Kartenmesser. Fahre die geplante Strecke auf der Karte ab und lese die Entfernung auf der Skala ab.
Nun bestimme ich die Marschrichtung mit dem Kompass und gehe mit meinem Schrittzähler die Entfernung ab. Dann bestimme ich auf der Karte die neue Marschrichtungszahl, stelle diese auf meinem Kompass ein und gehe in die neue Richtung.

In der Nacht, bei Nebel, im Wald in der Gruppe marschieren, keine Anhaltspunkte, kein Polarstern?

Sicher kann ich meinen Kompass immer vor mir halten und immer der Kompassnadel folgen.
Ich will aber so schnell als möglich vorwärts kommen und nicht andauernd mit dem Gesicht auf dem Kompass kleben. Und die Richtung soll so gut als möglich eingehalten werden. Dazu benötige ich Anhaltspunkte und nicht den Kompass vor meiner Nase.
Man nutze den Vorteil der Gruppe.
Peile die Richtung an und schicke einen aus der Gruppe in die Marschrichtung voraus. Dieser bleibt dann in der Visierlinie noch in Hörweite stehen, die Gruppe kommt zum Vorausgehenden. Das Spiel beginnt von Neuem.
Bei Nacht ist es sinnvoll eine Taschenlampe bei sich zu führen um dem vorausgehenden Gruppenmitglied zu signalisieren, gehe weiter nach links oder weiter nach rechts. Dazu haben sich die Taschenlampen bewährt, mit denen man ein weißes, grünes oder auch rotes Signal leuchten kann

Praktische Tipps zur Orientierung

Mit dem Kompass, Auffang- und Anlauflinien

Auch wenn ich noch so gut die Richtung messe und alle Möglichkeiten des optimalen Marschierens/ Wanderns nutze - ohne Auffanglinien und Querlinien werde ich mein Ziel nicht immer problemlos erreichen können.
Was ist eine Auffanglinie? Das ist ein Geländemerkmal, welches auf der Karte eingezeichnet ist, welches mich auch zum Ziel führt. Das kann ein Weg, eine Hochspannungsleitung, ein Fluss, ein Bach, ein Waldrand oder auch eine Straße sein. Die Linie liegt quer zu meiner Marschrichtung und fängt mich auf, wenn ich zu weit laufe.
Ich will zu meinem Ziel, kann es aber nicht während des Marschierens im Auge behalten. Zwischen mir und meinem Ziel verläuft eine Auffangline in Form eines Weges. Wenn ich nun die Marschrichtung zu meinem Ziel aus der Karte ermittle, es aber während des Anlaufens nicht im Auge behalten kann, da ich mich im Wald befinde (oder Hügel, Wald, Maisfeld,...) dann sollte ich nicht direkt auf den Zielpunkt marschieren, sondern links oder rechts davon anhalten und mich dann beim Auftreffen auf die Auffanglinie auf das Ziel hinbewegen. Hierzu halte ich zunächst die ermittelte Marschrichtung so gut als irgendwie möglich ein, bis ich auf die Auffanglinie treffe und orientiere mich dann neu.



Vorteil: ich verpasse nicht mein Ziel und laufe nicht in die falsche Richtung, falls ich doch das Ziel verfehle.
Eine Leitlinie im Gelände kann z.B. ein Flußlauf oder auch ein Waldrand sein. Auch hier ist ein kleiner Umweg oftmals der schnellere Weg zum Ziel.


Vorteil: ich erreiche recht schnell und auf direktem Weg mein Ziel

Lange Visierlinien sind zu meiden !
Schon einige Seiten zuvor sagte ich, dass aus Gründen der Genauigkeit keine lange Visierstrecken zu empfehlen sind. Zwischenziele sind hier nach Möglichkeit zu nutzen. Diese können aber auch beim Umgehen von Hindernissen sehr hilfreich sein.



Natürlich ist es ein Einfaches auch natürliche Hilfslinien zu verwenden die längs zu meiner Marschrichtung liegen. Wege, Flüsse, Waldränder, Hochspannungsleitungen, alles das kann sich dazu eignen. Der Kompass ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber er ist ein unentbehrliches Hilfsmittel für die Orientierung. Auch im Zeitalter des GPS.

Wandern mit Kartenmesser und Schrittzählern

Folgende Situation: ich stehe am Waldrand und möchte den in die Karte eingetragenen Weg gehen. Es kann sich hierbei um einen Wanderweg, Feldweg oder Ähnliches handeln.
Es gibt mitten im Wald keine Anschlußsichten, währends des Wanderns möchte ich aber wissen, wo ich genau bin, nicht nur in etwa, sondern genau.
Dazu stelle ich am Waldrand, bevor ich in den Wald gehe meinen Schrittzähler auf Null. Im Wald selber lese ich die Anzahl der zurückgelegten (Kilo-)Meter ab und fahre diese Strecke mit meinem Kartenmesser auf meiner Karte ab. Der Weg ist in der Karte eingezeichnet. Ich habe meinen Standpunkt. Ich muss hier betimmt nicht betonen, dass hier der große Kartenmaßstab die bessere Alternative in der Wahl der Karte ist. Dafür ist der Maßstab der Topografischen Karte 1:25.000 oder größer gut geeignet.
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Hier ist eine sehr schöne Wanderkarte aus der Sächsischen Schweiz von Rolf Böhm aus Bad Schandau im Maßstab 1:10.000, 2. Auflage 2002. Mit dieser kann man natürlich sehr genau im Wald laufen ohne sich zu verirren. Es zeigt die Region um die Festung Königstein.

Hier stelle ich meinen Schrittzähler auf "Null" und gehe auf dem Pfad in den Wald.
Das ist mein fiktiver Punkt. Ich lese auf meinem Schrittzähler die Anzahl der gelaufenen Meter ab, nehme meinen Kartenmesser und fahre die abgelaufenen Meter auf der Karte ab.

Positionsbestimmung - Überprüfen des Standortes während des Wanderns

Aus der Karte habe ich meine Richtung ermittelt und mein Ziel ins Auge gefasst. Auf dem Weg zum Ziel möchte ich meine Position bestimmen. Ich sehe mein Ziel und gleichzeitig einen weiteren markanten Geländepunkt. Von Kreuzungen und dergleichen bin ich aber weit entfernt.
Wie mache ich das?
Auf der Karte habe ich die Marschrichtung vom Standort zum Zielpunkt mit Bleistift eingezeichnet. Ich überprüfe die Richtung zum Zielpunkt. Nun visiere ich den markanten Geländepunkt an, ermittle zu diesem Punkt den Gegenrichtungswinkel (GRW), lege meinen Kartenwinkelmesser auf meinen markanten Zielpunkt auf der Karte und markiere die Richtung (rot) auf meine Marschrichtung (blau). Der Schnittpunkt ist mein derzeitiger Standort.
Am besten eignet sich dazu eine Standlinie (hier im Beispiel die baue Linie). Dies kann z.B ein in die Karte eingezeichneter Weg, eine Landstraße, ein Bach, Hochspannungs-leitung etc. sein. Hier habe ich einen eindeutige Bezugslinie. Durch die Richtungs-messung zu einem markanten Punkt bekomme ich meine aktuelle Position.
Beispiel:



Wenn ich meine genaue Position nicht kenne aber die markanten Punkte im Gelände und in der Karte zuorden kann, dann ist die Kreuzzpeilung oder auch dieses Verfahren mit der Standlinie mit einem markenten Geländepunkt sinnvoll..

Der Kompass als Winkelmesser

Mit meinem Peilkompass Meridian gehe ich besonders gerne wandern. Aber, habe ich nicht gesagt, ein Lineal- oder auch ein Spiegelkompass sind für die Kartenarbeit geeignet? Ja, das stimmt und gut aufgepasst. Aber ich will Höhen von Bäumen und Bergen oder auch Breiten von Flüssen und Häusern nur mit der Entfernung zum Ziel und der Winkelmessung bestimmen. Einfach weil es mir Spaß macht.
Auf der Rückseite des Meridian haben wir eine Tabelle mit Winkelwerten, von Steigungen in % und einer Skala für einem Faktor für die Bestimmung von Breiten oder Höhen von Objekten.
Die Entfernung zum Ziel kann man auf der Karte messen. Ich messe den Winkel eines Objektes. Ich messe als Erstes die Richtung einer Zielkante, dann die Richtung der anderen Kante (z.B. von einer Brücke), ziehe den kleinen Wert vom großen Wert ab und erhalte den Winkel.
(Wenn man das mit dem Peilkompass MeridianPro macht, dann kann ich auf 0,5° genau die Richtung ablesen. Bei Spiegelkompassen kann ich dies nur auf 1° genau, da nur alle 2° ein Markierungsstrich vorhanden ist.)



Wichtig ist immer eine genaue Messung der Winkel und die Ermittlung der Entfernung. Die Entfernung kann ich mittels Lineal und Maßstab oder mit meinem Kartenmesser bestimmen.
Nun nehme ich den Winkel, ermittle mit ihm einem Faktor (aus der nachfolgenden Tabelle) und multipliziere den Faktor mit der aus der Karte abgelesenden bzw. ermittelten Entfernung.

Entfernung * Winkelfaktor = Breite bzw. Höhe des Objektes
Aber beachte:
es muss einen nahezu rechten Winkel zum Ziel geben, damit der Tangenssatz und somit die folgenden Näherungswerte auch stimmen.

Wie funktioniert nun die Berechnung?

Man multipliziert die ermittelte Entfernung mit dem Breiten/Entfernungsfaktor. Das funktioniert sowohl mit Längen /Breitenbestimmung, als auch mit der Höhenbestimmung.

Winkel

Winkel

Winkel

Steigung

Faktor

0-360°

0-6400´

0-400°

%

 

1

18

1

2

1/60

2

35

2

3

1/30

3

53

3

5

1/20

4

71

4

7

2/30

5

89

5

9

7/80

6

107

6

10

1/10

7

125

8

12

1/8

8

142

9

15

1/7

10

178

11

18

1/6

12

219

13

21

1/5

14

250

16

25

1/4

17

302

19

30

3/10

18

320

20

33

1/3

20

355

22

36

3/8

22

391

25

40

2/5

24

426

27

45

4/9

27

480

30

50

1/2

31

551

35

60

3/5

34

604

38

66

2/3

35

622

39

70

7/10

37

658

41

75

3/4

40

711

45

84

5/6

42

747

47

90

9/10

45

800

50

100

1/1

50

889

56

120

1 + 1/5



Ermitteln von Entfernungen im Gelände

Nach dem Prinzip können wir auch die Entfernung zweier Punkte im Gelände ermitteln. Hierbei muss die Formel nur nach der Entfernung umgestellt werden.



Sollte ich von einer Brücke z.B. die Breite wissen (Ich kann Sie ja mit meinem Schrittzähler abgemessen haben :)) hier im Beispiel 500m, den Winkel zwischen der linken und der rechten Kante der Brücke mit 7° bestimmt haben, so kann ich die Grundformel hier anwenden:

Entfernung * Winkelfaktor = Breite bzw. Höhe des Objektes



Beispiel:

Ich messe die Richtung der linken Kante der Brücke mit 358°, die rechte Kante mit 5°. Der Winkel, der hier vorliegt ist 7° (360° machen einen Vollkreis, das sind also 2° und die restlichen 5° machen 7°). Der Winkelfaktor ist für 7°=1/8
Entfernung = Breite der Brücke / (Winkelfaktor) = 500 m / 1/8 = 4000 m.
An sich einfach und unkompliziert.

Haben wir keinen rechten Winkel zum Ziel, dann gilt folgender Zusammenhang:
Sin (winkel) * Hypothenuse (die längere Strecke zum Ziel) = gesuchte Strecke

Es gibt aber auch noch weitere einfache Möglichkeiten Strecken mit einer einfachen Winkelmessung zu bestimmen. Das geht mit einfachen mathematischen Grundkenntnissen.

Aufgabe: ich möchte eine Strecke bestimmen, kann die Distanz aber nicht aus der Karte entnehmen, ich bin auf mich selber angewiesen. (Beispiel: Ich stehe am Rhein, möchte die Breite ermittlen, die topografische Karte kann mir leider nicht helfen, da Flüssse generalisiert dargestellt sind.)
Einfache Trigonometrie im Rechtwinkligen Dreieck hilft uns da weiter. Für was waren wir denn in der Schule?
  1. Wir fixieren visuell den Zielpunkt.
  2. Im 90° Winkel (Zielpunkt - Standpunkt (S) - zum Hilfspunkt) gehen wir so weit, bis wir mit unserem Kompass genau 45° vom neuen Hilfspunkt zum Zielpunkt haben. Die Anzahl der Schritte, die wir dabei machen merken wir uns (oder wir nutzen einen digitalen Schrittzähler der uns auch die genaue Entfernung liefert). Der Hilfspunkt ist dabei nur fiktiv, dh. es gibt ihn nicht wirklich. Der Hilfspunkt ist der Standort, an dem ich die 45° Peilung zum Zielpunkt aufnehme.
  3. Wenn wir nun mit einem 45° Winkel zurück zum Zielpunkt sehen, dann entspricht die Strecke die wir zurückgelegt haben der Strecke die wir suchen.



Man kann auch mit der Tangensfunktion arbeiten um Strecken zu bestimmen. Nur wer hat im Gelände schon seinen Taschenrechner dabei? Meines Erachtens ist die 45° Lösung eine praktische und einfache Lösung zur Ermittlung von kurzen Strecken.
Fragen? Wenn ja, einfach mal ausprobieren. Die Theorie ist das Eine, die Umsetzung in die Realität das Andere.

Die Höhenmessung



Das Beispiel der Höhenmessung liegt ein Winkel von 14° und eine Entfernung von 2.000 m zugrunde. Mein eigener Standort ist bestimmt (entweder ich stehe auf einem markanten Punkt oder ich habe durch Rückwärtseinschneiden meinen eigen Standort bestimmt). Ich messe den Höhenwinkel zum Ziel, und erhalte als mittleren Messwert 14°.
Ich schlage vor, diesen Winkel öfter zu messen, und dann den Mittelwert zu nehmen. Denn eine Messung ist keine Messung. Ich erhalte also 14°. Diese 14° haben den zugewiesenen Faktor ¼. Aus der Karte entnehme ich für die Entfernung 2.000 m. (Wofür gibt es denn Kartenmesser oder einen Spiegelkompass mit langer Anlegekante?)

Und es gilt wieder die Formel:
Entfernung * Winkelfaktor = Breite bzw. Höhe des Objektes


Die Berechnung der Höhe erfolgt mit H = 2.000 m * ¼ = 500 m. Die Steigung hat einen Prozentsatz von 25%. Das nur nebenbei.

Höhenmessung mittels Strahlensatz

Natürlich gibt es wie immer auch noch einen weiteren Lösungsansatz für die Höhenmessung. Und wieder funktioniert dieser mit einfacher Schulmathematik. Thales von Milet hat auch hier wieder seine Hand im Spiel. Dieser hat mit dieser Methode die Höhe der Cheopspyramide ermittelt. Nun die wollen wir nicht, aber vielleicht die Höhe eines Baumes oder ....?
Es gilt folgender Sachverhalt:

Wir stehen auf einer Lichtung und wollen die Höhe eines Baumens ermitteln.

Wir kennen: a: meine Armlänge (meistens 0,70 Meter)
b: die Strecke, welche ich mit einem kleinen Maßstab ermitteln kann
(z.B. mit meiner Kompassanlegekante. Wenn ich über die Spitze des Maßstabes sehe, dann habe ich die Spitze der gesuchten Zielhöhe im Visier. Die Nulllinie zeigt auf den Fußpunkt
c: die Strecke zum Zielobjekt, die ich mittels digitalem Schrittzähler sehr genau kenne



Hierbei gilt folgender Zusammenhang: a:b = c:d
die gesuchte Höhe ist dabei d=(b*c) / a
Beispiel: Armlänge a= 0,70 Meter, c = 100 Meter, b : 0,14 Meter
gesuchte Zielhöhe = (0,14m * 100 m) / 0,70 m = 20 m

Das gleiche funktioniert auch mit Schatten. Ich messe die Länge des Schatten des Baumes und ich messe die Schattenlänge eines Stabes, welcher im Boden steckt. Natürlich auch die Länge des Stabes. Setzen Sie nun beide Messungen in Relation und ermitteln so mit Hilfe des Strahlensatzes die Höhe des Baumes. Wie, Sie haben keinen Taschenrechner dabei? Versuchen Sie es mit Ihrem Handy.
Natürlich funktioniert das auch mit Pyramiden :).
(Skizze aus Wikipedia)


Natürlich kann ich auch die Strecke c durch Schätzen der Höhe d ermitteln. Folgende Werte können als Näherungen für die Höhe von Objekten herangezogen werden:

Referenzhöhe durch

Maximale Höhen

Haus-Etagen

1 Stockwerk

3 Meter

2 Stockwerke

6 Meter

3 Stockwerke

9 Meter

 

 

 

Baum

Birke

30 Meter

Eiche

bis 50 Meter

Tanne

bis 55 Meter

Kiefer

bis 30 Meter

Pflaumenbaum

bis 10 Meter

Apfelbaum

bis 10 Meter

Birnbaum

bis 20 Meter


Allgemein gibt es noch einige Merkregeln, die ich bereits zu Beginn meiner aktiven Militärzeit gerlernt habe: Ziele erscheinen dem menschlichen Auge näher, wenn
  • es bergab geht
  • bei hellem Hintergrund
  • wir über Täler und Schluchten sehen
  • das Gelände gleichmässig ausgeprägt ist
Ziele erscheinen dem menschlichen Auge weiter, wenn
  • es bergauf geht
  • es trüb und bebelig ist
  • die Ziele nur teilweise sichtbar sind

Vor kurzem wurde ich gefragt, warum ich den Daumensprung nicht mit aufgenommen habe. Gerne hole ich das nach.

Der Daumensprung als Faustformel für die Streckenmessung (Entfernung)

Ich suche die Strecke zum Ziel. Auch hier gilt wieder der Strahlensatz. Als Hilfsmittel dient mir hier mein Daumen, der Abstand Auge zum Daumen und die geschätzte Entfernung zum Ziel.

Gegeben: a: Abstand linkes und rechtes Auge : ca 6 cm
b: Abstand Auge Daumen bei ausgestrecktem Arm: ca 70 cm
d: Strecke, welche ich schätze
Gesucht
c: Strecke zum Ziel

Es gilt auch hier folgender Sachverhalt: a:b = d:c



Was muss ich nun tun?

Das Verhältnis der Strecke a zwischen den Augen und der Strecke b zum Daumen entspricht im Durchschnitt in etwa 1:10. Dieses Verhältnis gilt auch für die Strecken d und c
Die Handhabung:
Ich strecke den Arm aus, hebe den Daumen und schließe das rechte Auge. (Das linke Auge schaut zum Ziel). Ich visiere das Ziel mit der linken Seite vom Daumen. Dann schließe ich das linke Auge und wiederhole den Vorgang mit dem rechten Auge. Der Daumen "springt nach links" zur Seite.

Ich schätze die Strecke d (den Abstand zwischen den beiden Punkten, welchen ich mit beiden Augen anvisiert habe.). Diesen geschätzten Abstand multipliziere ich mit dem Faktor 10 und ich habe die gesuchte Entfernung.


So habe ich die gesuchte Entfernung auf die Schnelle geschätzt.
Natürlich geht das mit dem Kompass genauer, aber der Daumensprung ist eben eine Faustformel.

Das Anfertigen einer Geländeskizze

Manchmal kommt es vor, dass ich keine Karte (mehr) habe. Ich muss mir dann vom Gelände eine Skizze anfertigen. Sei es, dass die Karte verloren gegangen ist oder ich aus dem Kartenblatt herausgehe und mir vom vor mir liegenden Gelände ein "Bild" für den künftigen Weg anfertigen muss. Um nun nicht im Nirwana zu verschwinden, zeige ich zwei einfache Möglichkeiten sich auch hier beim Weitergehen zu orientieren. Auch hier gilt es wie im normalen Leben: ich muss mein Ziel kennen.
Man unterscheidet grundsätzlich zwei verschieden Arten von Skizzen:
  • Grundrißskizze (oder auch Gelände- und Wegeskizze)
  • Ansichtsskizze (zeigen das Gelände so, wie man es sieht)
Die Grundrißskizze stellt die Gegebenheiten des Geländes auf eine vereinfachte und vergrößerte Art dar. Die Kartenzeichen werden hier vereinfacht dargestellt:


Beispiel einer einfachen Geländeskizze:
der eigene Standort wird mit einem Kreuz gekennzeichnet
geschätzte Entfernungen werden eingetragen



Nordpfeil nicht vergessen! der Pfeil zeigt uns auf der Skizze die Richtung wo MaN liegt

Der Marschweg wird in einer Geländeskizze sehr vereinfacht dargestellt. Entlang des Weges werden die Ortschaften, Waldstücke, Wege, Gewässer, ...schematisiert, soweit diese für das Zurechtfinden erforderlich sind. Es ist empfehlenswert, einzelne Teilstücke mit Entfernungen anzugeben.




Bestimmen der Himmelsrichtung ohne einen Kompass:

Mit der aktuellen Uhrzeit und dem Sonnenstand kann ich auch die Himmelsrichtungen bestimmen. Ich führe hier zwei Möglichkeiten auf:
  • mit einer Armbanduhr und
  • mit einem Schattenkompass
Die Armbanduhr zum Ermitteln der Südrichtung Als Faustformel für unsere Breiten kann folgendes Schema zwischen 06:00 Uhr und 18:00 Uhr verwendet werden:
Der kleine Zeiger (Stundenzeiger, hier rot) der Armbanduhr zeigt zur Sonne und die Winkelhalbierende zur 12 zeigt uns die Südrichtung (S). anbei drei Beispiele:
Achtung! Sommerzeit beachten. Wir verwenden nur die reguläre Zeit für unsere Breiten (Winterzeit)


Der Schattenkompass zur Bestimmung der Nordrichtung (GeN):

Dazu benötigen wir nur Zeit und keine aktuelle Uhrzeit wie im ersten Fall mit der Armbanduhr. Die Messungen müssen nur zeitversetzt ablaufen.
Wie wir wissen, geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter. Im Mittag steht sie in unseren Breiten im Süden.
Ich haben einen Stab, den ich senkrecht in die Erde ramme und ziehe einen konzentrischen Kreis um den Stab. Nun markiere ich (z.B. am Vormittag) den Schnittpunkt des Schattenwurfes des Stabes mit dem konzentrischen Kreis. Am Nachmittag wiederhole ich diesen Vorgang, markiere auch hier den zweiten Schnittpunkt mit dem Kreis.
Nun ermittle ich die Winkelhalbierende beider Schnittpunkte und erhalte somit die Nordrichtung. Dies ist natürlich nicht MaN oder GiN sondern GeN.




Ich habe mich verlaufen. Was nun?

Als erstes - Ruhe bewahren!
Manchmal leichter gesagt als getan, aber Hektik ist jetzt schädlich.
Auch hier gibt es Unterschiede.
  1. Die Richtung stimmt, nur der derzeitige Standort ist nicht eindeutig zu ermitteln das kann passieren, wenn ich keinen Schrittzähler nutze oder meine Schrittlänge falsch eingeschätzt habe

    Tipp:
    Weitergehen bis zur Leitlinie oder Auffanglinie oder auch bis zu einem Geländepunkt, der auf der Karte eindeutig bezeichnet ist Am besten man sieht sich auf der Karte entlang der Marschrichtung den zurück-gelegten Weg an und identifiziert markante Punkte, an denen man vorbeigekommen ist.

  2. Die Richtung und der Standort stimmen nicht mehr Auch das kann passieren. Ich habe mit meiner Karte ungenau gearbeitet, diese nicht richtig eingenordet, den Richtungswinkel ungenau abgelesen und ins Gelände übertragen, die Deklinationskorrektur nicht beachtet oder unter einer Stromleitung die Marschrichtung ins Gelände übertragen.

    Tipp:
    zum Ausgangspunkt zurückgehen, an dem die Standortbetimmung gepasst hat oder eine Kreuzpeilung durchführen.
  3. Ich kann nichts mehr auf der Karte wiederfinden
    Hier gilt: keine Panik - irgendwo kommen wir schon an.

    Tipp:
    Wanderung abbrechen, zu einer Auffangline gehen. In unseren Breiten ist das in der Regel kein Problem. Die Wänder sind alle begrenzt, Bäche münden in Flüsse und die kommen früher oder später zu Siedlungen. Hochspannungsleitungen und Wege sind nicht von alleine gewachsen, man ist immer in der Nähe der Zivilisation.
    Spätestens im nächsten Ort wissen wir wieder wo wir sind.
    Das ist mir auch schon mal bei einer Nachtwanderung zu meiner Bundeswehrzeit mit drei Kameraden passiert. In der Nacht schaut alles gleich dunkel aus, aber in der Ferne sieht man die Lichter der Siedlungen. Wenn es dann auch noch regnet, Nebel aufkommt - dann sieht man die Hand vor den Augen fast nicht - das Orientieren unter erschwerten Bedingungen.
    In so einer Situation wußten wir nicht mehr genau wo wir eigendlich waren. Zu Ausbildungszwecken hatten wir nur einen Kartenausschitt dabei, einen Schnipsel, aber keine komplette Karte (1:50.000). Wir hatten uns aus dem Kartenbereich heraus bewegt. Es blieben uns zwei Möglichkeiten: Zurückgehen zum letzten bekannten Punkt oder zur nächsten Siedlung gehen und sehen wo wir eigendlich waren. Viele Bewohner im Hunsrück sind dann sehr freundlich - sie zeigen einem den Weg und geben auch noch was zu Trinken.

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